BITV 2.0 und WCAG: Die deutsche Verordnung zur Barrierefreiheit

Die WCAG sind der technische Standard, die BITV 2.0 macht ihn für öffentliche Stellen des Bundes verbindlich. Für private Anbieter gilt das BFSG.

BITV 2.0 und WCAG: Die deutsche Verordnung zur Barrierefreiheit

Kurz gesagt: Die WCAG sind der technische Standard für Barrierefreiheit. Die BITV 2.0 ist eine Verordnung, die für öffentliche Stellen des Bundes auf diesen Standard verweist und ihn verbindlich macht. Für private Anbieter bestimmter Verbraucherprodukte und -dienstleistungen gilt seit dem 28. Juni 2025 das BFSG. Für die BITV 2.0 ist derzeit WCAG 2.1 Level AA maßgeblich; WCAG 2.2 ist seit dem 5. Oktober 2023 W3C-Empfehlung.

WCAG und BITV 2.0 sind miteinander verknüpft, aber unterschiedlich:

  • Die WCAG beschreiben, wie Barrierefreiheit technisch erreicht werden kann.
  • Die BITV 2.0 regelt gemeinsam mit dem Behindertengleichstellungsgesetz (BGG), welche öffentlichen Stellen des Bundes sie einhalten müssen, welche Pflichten dazukommen und wie die Einhaltung überwacht wird.

Dieser Artikel behandelt:

  • Wie sich die BITV 2.0 von den WCAG unterscheidet
  • Wer betroffen ist und wer stattdessen unter das BFSG fallen kann
  • Wie die Einhaltung geprüft wird und welche Schritte praktisch helfen

Zur Einordnung für TYPO3-Websites lesen Sie auch unseren Beitrag TYPO3 Barrierefreiheit. Für die praktische Umsetzung haben wir einen Leitfaden mit Checkliste zusammengestellt.

Stand: Oktober 2026. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.

Was ist die BITV 2.0? Die deutsche Verordnung zur Barrierefreiheit

BITV 2.0 (Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung vom 12. September 2011, zuletzt geändert am 24. Oktober 2023) ist die rechtsverbindliche Verordnung zur digitalen Barrierefreiheit für öffentliche Stellen des Bundes. Sie legt fest, für welche Websites, mobilen Anwendungen und elektronisch unterstützten Verwaltungsabläufe die Anforderungen gelten (§ 2 BITV 2.0).

Technisch gilt nach § 3 BITV 2.0 die Erfüllung der Anforderungen als vermutet, wenn die Angebote harmonisierten Normen entsprechen, die im Amtsblatt der EU genannt sind. Das ist derzeit die EN 301 549 in der Fassung V3.2.1 (Durchführungsbeschluss (EU) 2021/1339) und damit WCAG 2.1 Level AA. Die technischen Anforderungen stammen aus den WCAG; die BITV 2.0 macht sie für die betroffenen Stellen verbindlich. Die Erklärung zur Barrierefreiheit und die Möglichkeit zur Rückmeldung folgen aus § 12b des BGG.

Die Verordnung beruht auf dem Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) und gilt für öffentliche Stellen des Bundes. Für Länder und Kommunen gelten eigene Landesgesetze, die auf derselben EU-Richtlinie (EU) 2016/2102 beruhen.

Für private Unternehmen gilt seit dem 28. Juni 2025 das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG). Es betrifft bestimmte Produkte und Dienstleistungen für Verbraucher, etwa im E-Commerce, bei Bankdienstleistungen für Verbraucher und bei Elementen von Personenbeförderungsdiensten. Ob Ihr Angebot darunter fällt, sollten Sie im Einzelfall prüfen lassen.

Stand: Oktober 2026. Allgemeine Informationen, keine Rechtsberatung.

Wer muss die BITV 2.0 in Deutschland einhalten

Die BITV 2.0 ist rechtsverbindlich, aber ihr Geltungsbereich ist klar begrenzt.

Öffentliche Stellen des Bundes

Die BITV 2.0 gilt für öffentliche Stellen des Bundes im Sinne von § 12 BGG, also für Bundesbehörden und weitere Träger öffentlicher Gewalt des Bundes. Für Behörden der Länder und Kommunen, Universitäten und andere Landeseinrichtungen gilt das jeweilige Landesrecht, das auf derselben EU-Richtlinie (EU) 2016/2102 beruht und sich oft an der BITV orientiert.

Die Vorgaben betreffen Websites, mobile Anwendungen und elektronisch unterstützte Verwaltungsabläufe (§ 2 BITV 2.0).

Organisationen, die öffentliche Aufgaben wahrnehmen, können ebenfalls betroffen sein.

Nach § 12 BGG zählen auch Einrichtungen dazu, die gegründet wurden, um im Allgemeininteresse liegende Aufgaben nicht gewerblicher Art zu erfüllen, und die überwiegend vom Bund finanziert werden oder hinsichtlich ihrer Leitung oder Aufsicht dem Bund unterstehen. Ihre rechtliche Rolle und Verantwortung bestimmen, ob Pflichten zur Barrierefreiheit gelten.

Private Unternehmen sind über das BFSG betroffen.

Die BITV 2.0 richtet sich an öffentliche Stellen. Für private Anbieter bestimmter Produkte und Dienstleistungen für Verbraucher, etwa im E-Commerce oder bei Bankdienstleistungen, gilt seit dem 28. Juni 2025 das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG).

Die Pflichten hängen vom rechtlichen Status, vom Umfang der angebotenen Leistungen und vom Sektor ab. Lassen Sie dies frühzeitig klären, bevor Sie technische oder organisatorische Maßnahmen planen.

Was ist WCAG?

Die WCAG (Web Content Accessibility Guidelines) sind der weltweit anerkannte technische Standard für barrierefreie digitale Angebote. Sie legen die Anforderungen an die Barrierefreiheit von Websites, Apps und digitalen Inhalten für Menschen mit Behinderungen fest.

Das World Wide Web Consortium (W3C) entwickelt die WCAG. Der Standard gilt als technische Grundlage vieler Barrierefreiheitsregeln weltweit, auch in Deutschland.

Für die BITV 2.0 ist derzeit WCAG 2.1 maßgeblich, weil die bislang im Amtsblatt der EU zitierte Fassung der Norm EN 301 549 (V3.2.1) darauf verweist. Das W3C hat WCAG 2.2 am 5. Oktober 2023 als Empfehlung veröffentlicht; sie ergänzt neun Erfolgskriterien und entfernt 4.1.1 Parsing. Die EN 301 549 V4.1.1, die WCAG 2.2 einbezieht, wurde nach Angaben von Deque und Davis Wright Tremaine im September 2026 veröffentlicht (Annahme am 24. August 2026). Ende Oktober 2026 war sie nach Angaben von Barrierewerk und Deque noch nicht im Amtsblatt der EU zitiert. Die WCAG basieren auf vier Prinzipien („POUR“):

  • Wahrnehmbar: Nichts sollte Nutzer daran hindern, Inhalte zu sehen, zu hören oder in alternativer Darstellung zu erhalten
  • Bedienbar: Die Oberfläche sollte per Tastatur und mit Hilfstechnologien nutzbar sein
  • Verständlich: Informationen und Bedienung sollten einfach und vorhersehbar sein
  • Robust: Inhalte sollten auf verschiedenen Browsern, Geräten und Hilfstechnologien funktionieren

Es gibt drei Konformitätsstufen:

  • Level A: Mindestanforderungen an die Barrierefreiheit
  • Level AA: Das Niveau, auf das die BITV 2.0 und die EN 301 549 verweisen
  • Level AAA: Höchste Stufe, in der Regel nicht gesetzlich vorgeschrieben

Für öffentliche Stellen des Bundes in Deutschland ist WCAG 2.1 Level AA derzeit der maßgebliche technische Maßstab.

Dieses Niveau bezieht viele Nutzergruppen ein und bleibt zugleich praktikabel. Es wird von der BITV 2.0 und verwandten Vorschriften über die EN 301 549 zitiert.

BITV 2.0, WCAG und BFSG - Vergleich nebeneinander

Eine Gegenüberstellung von WCAG, BITV 2.0 und dem BFSG verdeutlicht, wie globale Richtlinien, deutsche Vorschriften für den öffentlichen Sektor des Bundes und das Gesetz für bestimmte private Anbieter zusammenpassen, wer was tun muss und auf welcher technischen Grundlage.

Aspekt

WCAG

BITV 2.0

BFSG

Zweck

Technische Barrierefreiheitsrichtlinien

Deutsche Verordnung zur Barrierefreiheit für öffentliche Stellen des Bundes

Deutsches Gesetz für die Barrierefreiheit bestimmter Produkte und Dienstleistungen

Ursprung

Entwickelt vom W3C (internationaler Standard)

Deutsche Verordnung auf Grundlage des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG), Richtlinie (EU) 2016/2102

Deutsches Bundesgesetz zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2019/882

Rechtlicher Status

Kein Gesetz

Rechtsverbindlich in Deutschland

Rechtsverbindlich in Deutschland

Hauptrolle

Definiert, wie Barrierefreiheit erreicht wird

Definiert, wer im öffentlichen Sektor des Bundes einhalten muss

Definiert, welche privaten Anbieter einhalten müssen

Technische Grundlage

WCAG-Erfolgskriterien

Im Amtsblatt der EU genannte harmonisierte Normen, derzeit EN 301 549 V3.2.1 (WCAG 2.1 Level AA)

Anforderungen des BFSG und der BFSG-Verordnung (wahrnehmbar, bedienbar, verständlich, robust); keine bestimmte Norm vorgeschrieben, die EN 301 549 dient als Orientierung

Konformitätsstufen

A, AA, AAA

WCAG 2.1 Level AA über die EN 301 549

Je nach Produkt oder Dienstleistung

Erklärung / Information

Nicht erforderlich

Erklärung zur Barrierefreiheit für Websites und Apps öffentlicher Stellen des Bundes (§ 12b BGG)

Informationspflichten zur Barrierefreiheit gegenüber Verbrauchern (rechtlich prüfen)

Feedbackmechanismus

Nicht Teil des Standards

Pflicht nach § 12b BGG (Kontaktmöglichkeit, Antwort spätestens innerhalb eines Monats), in Umsetzung der Richtlinie (EU) 2016/2102

Kein BITV-Feedbackmechanismus; Beschwerden sind bei der Marktüberwachung möglich

Leichte Sprache / Gebärdensprache

Nicht ausdrücklich erforderlich

Erläuterungen auf der Startseite in Deutscher Gebärdensprache und Leichter Sprache (§ 4 BITV 2.0)

Je nach Dienstleistung relevant

Anwendungsbereich

Weltweite Best Practice

Öffentliche Stellen des Bundes; für Länder und Kommunen gilt Landesrecht

Private Anbieter bestimmter Produkte und Dienstleistungen für Verbraucher; Ausnahmen, etwa für Kleinstunternehmen bei Dienstleistungen

Durchsetzung

Keine direkte Durchsetzung

Überwachung durch die Überwachungsstelle des Bundes für Barrierefreiheit von Informationstechnik; Schlichtungsverfahren nach § 16 BGG

Marktüberwachung der Länder; Bußgelder bis zu 100.000 € (§ 37 BFSG)

Wirkungszeitraum

Laufender Standard

In Kraft

Anwendbar seit 28. Juni 2025; Übergangsfrist für vor diesem Datum geschlossene Dienstleistungsverträge bis längstens 27. Juni 2030 (§ 38 BFSG)

Praktische Interpretation:

Die WCAG definieren die technischen Barrierefreiheitsstandards. Die BITV 2.0 und das BFSG übersetzen solche Standards in verbindliche Pflichten, je nachdem, ob eine Organisation eine öffentliche Stelle des Bundes oder ein erfasster privater Anbieter ist. Die Tabelle ersetzt keine Rechtsberatung.

Wie die Einhaltung in Deutschland geprüft wird

Für öffentliche Stellen des Bundes wird die Einhaltung der BITV 2.0 überwacht und dokumentiert. Grundlage ist die Richtlinie (EU) 2016/2102, die die Mitgliedstaaten zur Überwachung und Berichterstattung über die Barrierefreiheit öffentlicher Websites und Apps verpflichtet. Auf Bundesebene richtet das BGG dafür eine Überwachungsstelle des Bundes für Barrierefreiheit von Informationstechnik ein (§ 13 Abs. 3 BGG, § 5 BITV 2.0).

Wie Prüfungen typischerweise ablaufen

  • Automatisierte Tests: finden technische Probleme wie fehlende Alternativtexte, Kontrastfehler oder fehlerhafte HTML-Struktur.
  • Manuelle Tests: bewerten Tastaturbedienung, Fokusführung, Formulare und logische Inhaltsreihenfolge, wo Automatisierung nicht zuverlässig ist.
  • Nutzertests: Die Einbindung von Menschen mit Behinderungen zeigt Barrieren, die in der Praxis auftreten.

Prüfmaßstab

Die Prüfungen beziehen sich über die EN 301 549 (V3.2.1) auf WCAG 2.1 Level AA. Automatisierte Werkzeuge allein genügen nicht; dokumentierte manuelle Prüfungen sind der verlässlichere Weg, die Konformität zu belegen.

Überwachung in Deutschland

Die Überwachung erfolgt auf Bundes- und Landesebene nach einer festgelegten Bewertungsmethode. Ergebnisse werden dokumentiert. Werden Barrieren festgestellt, wird von der betroffenen Stelle erwartet, sie zu beheben. Barrierefreiheit ist daher eine fortlaufende Aufgabe, die dokumentiert werden sollte.

Was sind die Konsequenzen, wenn Sie nicht konform sind?

Erfüllt eine Website oder App einer öffentlichen Stelle des Bundes die Anforderungen nicht, kann Folgendes eintreten:

  • Nutzerfeedback: Jede Person kann Barrieren über die Kontaktmöglichkeit in der Erklärung zur Barrierefreiheit melden; die Stelle muss spätestens innerhalb eines Monats antworten (§ 12b BGG).
  • Schlichtung: Wird die Sache nicht geklärt, kann ein Schlichtungsverfahren nach § 16 BGG folgen.
  • Überwachung und Nachverfolgung: Die Überwachungsstellen dokumentieren Ergebnisse und berichten darüber.
  • Öffentliche Sichtbarkeit: Die Erklärung zur Barrierefreiheit muss öffentlich und aktuell sein, bekannte Lücken sind dadurch sichtbar.
  • Vertrauen: Nicht barrierefreie Angebote können das Vertrauen der Nutzer mindern.

Für private Anbieter, die unter das BFSG fallen, kommen Marktüberwachung durch die Länder und Bußgelder von bis zu 100.000 € in Betracht (§ 37 Abs. 2 BFSG). Allgemeine Informationen, keine Rechtsberatung.

Praktische Schritte zur Einhaltung der Richtlinien

Die Einhaltung der BITV 2.0 wird nicht durch eine einmalige Prüfung erreicht. Es erfordert strukturierte Tests, klare Dokumentation und fortlaufende Verantwortung.

1. Führen Sie Barrierefreiheits-Tests durch

Zu Beginn sollten eine Mischung aus automatisierten und manuellen Tests durchgeführt werden.

  • Nutzen Sie Tools wie den TYPO3 Barrierefreiheit testen, um technische Probleme zu erkennen.
  • Validieren Sie die Ergebnisse manuell, um die Tastaturnutzung, die Fokusreihenfolge und die Usability zu prüfen.
  • Binden Sie, wenn möglich, reale Nutzer ein, um praktische Barrieren zu identifizieren.

Obwohl automatisierte Tools den Prozess unterstützen, können sie immer noch nicht die manuelle Validierung ersetzen.

Scannen TYPO3 Website in Sekundenschnelle auf Barrierefreiheit

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Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
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2. Zuerst Barrieren beheben, die den Zugang blockieren

Konzentrieren Sie sich auf Probleme, die Nutzer an Kernfunktionen und Inhalten hindern:

  • Fehlende oder falsche Alternativtexte
  • Geringer Farbkontrast
  • Tastaturfallen
  • Verwirrende oder fehlerhafte Navigation

Wenn Nutzer wichtige Inhalte nicht erreichen, sind die Anforderungen nicht erfüllt.

3. Erklärung zur Barrierefreiheit veröffentlichen

Öffentliche Stellen des Bundes müssen nach § 12b BGG eine Erklärung zur Barrierefreiheit veröffentlichen. Sie enthält:

  • Teile des Inhalts, die nicht vollständig barrierefrei sind, samt Gründen und gegebenenfalls barrierefreien Alternativen
  • Eine Möglichkeit, elektronisch Kontakt aufzunehmen, um Barrieren zu melden
  • Einen Hinweis auf das Schlichtungsverfahren nach § 16 BGG

Halten Sie die Erklärung aktuell.

4. Feedback-Mechanismus bereitstellen

Nutzer sollten Barrieren einfach melden können. Öffentliche Stellen des Bundes müssen auf Mitteilungen spätestens innerhalb eines Monats antworten.

5. Barrierefreiheit in den Arbeitsalltag integrieren

Barrierefreiheit gehört in Design, Inhaltserstellung, Entwicklung und QA. Schulen Sie Mitarbeitende und dokumentieren Sie Verantwortlichkeiten, damit die Einhaltung nicht von Einmalkorrekturen abhängt.

Was BITV 2.0 und WCAG in der Praxis in Deutschland bedeuten

WCAG definiert die technischen Barrierefreiheitskriterien. Sie erklärt, wie digitale Inhalte gestaltet sein müssen, damit sie von Menschen mit Behinderungen genutzt werden können. WCAG ist für sich genommen kein Gesetz.

BITV 2.0 ist zusammen mit dem BGG der rechtliche Rahmen in Deutschland, der die WCAG-Anforderungen für definierte Organisationen verbindlich macht. Das BGG fügt formelle Pflichten wie Erklärungen zur Barrierefreiheit und Feedbackmöglichkeiten hinzu.

Was das für Organisationen in Deutschland bedeutet

  • Die Einhaltung der WCAG ist notwendig, aber nicht ausreichend für die rechtliche Konformität.
  • BITV 2.0 bestimmt, ob die Einhaltung verpflichtend ist, wie sie bewertet wird und was passiert, wenn Lücken bestehen.
  • Die rechtliche Verantwortung hängt ab von:
    • Organisatorischer Rolle
    • Sektor (öffentlich oder privat)
    • Art des angebotenen digitalen Dienstes

Fazit

BITV 2.0 und WCAG 2.1 verfolgen ein gemeinsames Ziel: Digitale Angebote für alle Menschen zugänglich zu machen.

Aber dabei geht es nicht nur um das Abhaken einer rechtlichen Checkliste. Es geht darum, digitale Systeme zu schaffen, die alle Menschen einbeziehen und respektieren – unabhängig von ihren Fähigkeiten.

Wenn Sie verstehen, wie BITV auf WCAG aufbaut, können Sie sicherstellen, dass Ihre Umsetzung über das gesetzliche Minimum hinausgeht. Ziel ist es, digitale Umgebungen zu schaffen, die funktional, inklusiv und zukunftsfähig sind.

Barrierefreiheit ist keine Zusatzaufgabe. Sie ist einfach gute Arbeit.

Beginnen Sie mit einem Barrierefreiheits-Audit. Erfahren Sie mehr über BITV 2.0 und Ihre Verantwortlichkeiten, und beziehen Sie Ihr Team mit ein. Wenn Sie nicht wissen, wo Sie anfangen sollen, unsere TYPO3 Agentur – NITSAN berät Sie gerne.

Für weitere praktische Tipps und Einblicke rund um digitale Barrierefreiheit und gesetzliche Anforderungen, besuchen Sie unseren Blog: Barrierefreie Website mit TYPO3 Barrierefreiheit!

Kurz gesagt, WCAG erklärt, wie barrierefreie Systeme gebaut werden. BITV 2.0 definiert, wer sich an die Vorschriften halten muss und wie Barrierefreiheit in Deutschland durchgesetzt wird.

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Häufige Fragen zu BITV 2.0 und WCAG

Die WCAG sind der technische Standard des W3C und kein Gesetz. Die BITV 2.0 ist eine Verordnung, die für öffentliche Stellen des Bundes auf harmonisierte Normen und damit auf diesen Standard verweist und ihn verbindlich macht.

Öffentliche Stellen des Bundes im Sinne von § 12 BGG. Für Länder und Kommunen gelten eigene Landesregelungen. Private Anbieter bestimmter Verbraucherprodukte und -dienstleistungen fallen unter das BFSG.

Als privates Unternehmen sind Sie nicht Adressat der BITV 2.0. Je nach Angebot kann stattdessen das BFSG gelten, das seit dem 28. Juni 2025 angewendet wird. Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen erbringen, sind ausgenommen; Verstöße gegen das BFSG können mit Bußgeldern von bis zu 100.000 € geahndet werden (§ 37 BFSG). Ob das auf Sie zutrifft, sollten Sie im Einzelfall prüfen lassen.

Die BITV 2.0 verweist über die EN 301 549 V3.2.1 derzeit auf WCAG 2.1 Level AA. WCAG 2.2 ist seit dem 5. Oktober 2023 W3C-Empfehlung und eine sinnvolle Orientierung für neue Projekte. Die EN 301 549 V4.1.1 (WCAG 2.2) war Ende Oktober 2026 nach Angaben von Barrierewerk und Deque noch nicht im Amtsblatt der EU zitiert.

Die EN 301 549 ist die europäische Norm für die Barrierefreiheit von IKT-Produkten und -Dienstleistungen. Für Websites übernimmt sie die WCAG-Kriterien. Sie ist die technische Brücke zwischen den WCAG und den rechtlichen Vorgaben der BITV 2.0.

Eine Überwachungsstelle des Bundes für Barrierefreiheit von Informationstechnik überwacht die Einhaltung. Nutzer können Barrieren über die Kontaktmöglichkeit in der Erklärung zur Barrierefreiheit melden. Bleibt das ohne Ergebnis, ist ein Schlichtungsverfahren nach § 16 BGG möglich.

Nein. Automatisierte Werkzeuge erkennen nur einen Teil der Barrieren. Manuelle Prüfungen mit Tastatur und Screenreader sowie Nutzertests ergänzen sie. Mehr dazu: TYPO3 Barrierefreiheit.

Stand: Oktober 2026. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.

Stefan

Kontakt für KMU, Regierungsorganisationen und BITV 2.0

Stefan Reinhardt

Servicepartner - Deutschland

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